„Das Tier ist jetzt safe“ – warum dieser Satz gefährlich sein kann
aus der Reihe „Wenn Tiere reisen“
„Es zählt doch nur, dass mein Tier jetzt sicher bei mir angekommen ist“, lese ich gelegentlich.
Manchmal ist der Hintergrund, dass sich jemand im Urlaub in das Tier verliebt hat. Oder dass jemand dieses Tier aus einer misslichen Situation retten will. Meistens ist die Zeit knapp. Der Urlaub endet. Das Wetter ist schlecht. Das Tier ist krank. Es ist niemand erreichbar …
Also fragt man, was leicht erreichbar ist: das Internet. Und dort findet man eben auch Informationen, die den Transport im Kofferraum als lässliche Sünde erscheinen lassen. Die schlicht falsch sind.
Aber was ist geltendes Recht?
Die EU-Verordnungen 576/2013 und 2016/429 legen fest, dass Hunde, Katzen und Frettchen nur unter bestimmten Voraussetzungen in einen Mitgliedsstaat verbracht werden dürfen. Das EU-Recht muss von den Mitgliedsstaaten national umgesetzt werden. Folgende Bedingungen sind einzuhalten:
1. Das Tier muss eindeutig gekennzeichnet sein, mit einem Mikrochip gemäß ISO-Norm
2. Es muss gegen Tollwut geimpft sein, dokumentiert im EU-Heimtierausweis. Die Impfung darf nicht weniger als 21 Tage alt und auch nicht abgelaufen sein.
3. Bei Reisen aus Drittländern muss häufig zusätzlich ein EU-Gesundheitszeugnis ausgestellt werden durch einen Amtstierarzt.
Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, riskiert die transportierende Person viel: Zurückweisung, Quarantäne, hohe Kosten und vielleicht sogar die Einschläferung des Tieres.
Sind ungeimpfte Tiere wirklich so gefährlich?
Es geht um Tollwut, oder auch „klassische Tollwut“ bei Säugetieren. Die Krankheit verläuft tödlich.
Tollwut als gefährliche Tierseuche wird überwacht und bekämpft. Deutschland ist seit Jahren tollwutfrei. Weltweit ist die Situation jedoch anders: Zehntausende Menschen sterben jährlich durch Tollwut, die überwiegend von Hunden übertragen wurde. Auch in Teilen Südosteuropas und der Türkei kommt die Tollwut noch vor.
Ohne gültigen Tollwutstatus importierte Tiere sind also nicht nur ein theoretisches Risiko. Sie bringen reale Folgen für Menschen, andere Tiere und öffentliche Gesundheitssysteme.
Kein theoretisches Risiko – reale Fälle
2014 nahm ein Mann einen Hund aus Ungarn mit nach Frankreich. Ohne Kennzeichnung, ohne Registrierung, ohne Impfung ging die Reise quer durch Europa. Später wurde der Hund – ungeimpft – mit nach Nordafrika genommen. Dort infizierte sich der Hund mit dem Tollwut-Virus. Nach der Rückkehr nach Frankreich wurde der Hund krank.
Vor seinem Tod hatte er Kontakt zu mehreren Menschen und Tieren, die dringend gefunden und behandelt werden mussten.
2021 wurde bei einem illegal nach Deutschland verbrachten Welpen Tollwut festgestellt.
Im Jahr 2023 wurden in der EU 31 infizierte Füchse gefunden, alle in Osteuropa.
Vor allem das Beispiel aus Frankreich macht eins deutlich: infizierte Tiere können das Virus weit verbreiten, bevor sie erkranken oder die Erkrankung richtig eingeordnet wird. Kontaktpersonen können und müssen mit einer postexpositionellen Behandlung vor dem Ausbruch der Krankheit gerettet werden. Tiere müssen nach Kontakt auf ihren Impfstatus überprüft, in Quarantäne verbracht oder getötet werden.
Wie groß ist das Risiko wirklich?
EU-weit wurden im Jahr 2023 knapp 3500 lebende Tiere beschlagnahmt, die ohne gültige Papiere oder Tollwutimpfung transportiert worden waren. Im ersten Halbjahr 2025 handelte es sich allein in Deutschland um 369 Tiere.
Wie viele nicht entdeckt wurden, wissen wir nicht. Die EU schätzt den Handelsumfang mit Hunden und Katzen in der EU auf 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. Ca 60% der Käufer kaufen online.
Tatsächlich sind illegaler Tierhandel und Landtransporte ein ungelöstes Problem. Welpentransporte auf dem Landweg sind schwer zu erkennen. An EU-Binnengrenzen finden gemäß dem Schengener Abkommen keine systematischen Kontrollen von EU-Bürgern statt.
Niemand will die Grenzkontrollen wieder haben.
Aber viele nutzen die Möglichkeiten des Schengener Abkommens für ihre eigenen Zwecke: der Handel mit geschmuggelten Welpen boomt.
Was können wir tun?
Diese Lücken erfordern bessere Instrumente, wie interoperable Mikrochip-Datenbanken und Meldepflichten.
Das europäische Parlament hat sich auf die Verbesserung längst bekannter und anerkannter Regeln geeinigt, die auch viele Tierschützer und Tierärzte fordern. Dazu gehören Kennzeichnungs- und Registerpflichten. Wie man unschwer erkennt, ist die Tollwut-Bekämpfung hier nur ein Aspekt.
Aber das … ist eine andere Geschichte.
Der wichtigere Aspekt ist Information. Deswegen schrieb ich diesen Beitrag.

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