Letzten Monat hatte ich ein interessantes Gespräch. Die Katze war gecheckt und geimpft. Ich erledigte gerade die Dokumentation, da stellte die Katzenbesitzerin noch eine Frage: „Kann man Katzen eigentlich vegan ernähren?“ Ich glaube, ich habe etwas entgeistert geschaut, denn sie sprach gleich weiter:
„Ich bin vegan, weil ich Tiere liebe – und ich wüsste zumindest gern, ob es überhaupt geht.“
Ich musste lächeln:
„Meine Tochter lebt auch vegan, ich verstehe also, worum es Ihnen geht. Ich respektiere ökologische und ethische Gründe. Bei Katzen funktioniert das so nicht.
Warum kann eine Katze nicht vegan ernährt werden?
Katzen sind sogenannte obligate Carnivoren. Das heißt: sie brauchen Fleisch. Es geht nicht ohne. Ohne tierisches Protein fehlen der Katze lebensnotwendige Nährstoffe:
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Taurin ist nur in Fleisch enthalten. Taurinmangel führt zu Herzkrankheiten und Erblindung
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Vitamin A, also Retinol, kann die Katze nur in der aktiven Form verwerten. Sie kann es nicht aus den in Pflanzen vorhandenen Carotinen umwandeln.
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Arachidonsäure kommt nur in tierischem Fett vor und ist für die Katze eine essentielle Fettsäure.
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Vitamin B12 kommt nur im Fleisch vor oder wird von Mikroben synthetisiert.
- Nur tierische Proteine enthalten alle für die Katze essentiellen Aminosäuren in ausreichender Menge
Tierliebe bedeutet auch: die Natur des Tieres zu respektieren
Katzen können pflanzliches Protein kaum verwerten. Daß sie manchmal am Gras knabbern, hat andere Gründe.
Die Besitzerin war gar nicht so überrascht – sie wollte sich nur gründlich kundig machen. „Ich will das Beste für sie“, sagte sie entschlossen.
„Das weiß ich“, sagte ich. „Tierliebe bedeutet auch, die Natur des Tieres zu respektieren.“
Sie nickte und verabschiedete sich: „Vielen Dank für die Erklärung.“
Was Sie wissen sollten:
1) Katzen brauchen Fleisch
Bislang gibt es keine vegane Ernährung für Katzen, die ihre Bedürfnisse langfristig zuverlässig abdeckt.
2) Ihre Werte müssen nicht die Werte Ihres Tieres sein.
Sie können vegan leben und trotzdem eine Katze halten. Solange Sie akzeptieren, dass sie Fleisch frisst. Wenn das für Sie nicht geht, ist vielleicht ein Kaninchen das bessere Haustier.
3) Freigänger jagen – das ist normal.
Natürlich kann man eine Katze im Haus halten: wenn sie draußen Angst hat, Gefahr für ihr Leben besteht oder wenn man ihr Jagdverhalten nicht akzeptieren kann. Aber dann brauchen die Katze Beschäftigung, Kratzbäume, Spielzeug – und artgerechtes Futter. Mit viel Fleisch. Immer.

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